Ein Sieg der anderen Art!

„The toughest Ironman of the world“ – so wird das Rennen auf Lanzarote beschrieben. Was das Härteste ist, bleibt individuell, trotzdem kann ich sagen, dieses Rennen ist an Herausforderungen kaum zu überbieten. Das war mir schon klar als ich mich dafür angemeldet habe, wie zäh es tatsächlich ist, wissen nur Diejenigen, die hier einmal am Start waren. Umso glücklicher bin ich über den Rennverlauf.

Nach anfänglichen Problemen beim Schwimmtraining, bin ich am Renntag sowohl mit dem Massenstart, Massenschlägerei wäre der bessere Ausdruck, als auch mit den enormen Wellen und Strömungen sehr gut zurecht gekommen. Die Schwimmzeit war absolut ok für diese Bedingungen. Selbst die Profis hatten hier schon einige Minuten im Vergleich zu anderen Rennen liegen gelassen. Einzig das kalte Wasser hat mir Probleme gemacht. In der zweiten Runde hab ich schon so gefroren, dass ich kein Gefühl mehr in Händen und Füssen hatte, obwohl ich eine zweite Badekappe aus Neopren getragen habe.

Der Wechsel hat sehr gut funktioniert und dann ging es ab auf lange, anspruchsvolle 180 km am Rad. 2.500 Höhenmeter waren zu bezwingen, was nicht so dramatisch wäre wenn…… da nicht der Wind mit 40-60 km/h pausenlos am Rad rütteln würde. Doppelt herausfordernd ist, dass er dabei die meiste Zeit von vorne kommt, wenn es gerade wieder bergauf geht. Du kurbelst und kurbelst und glaubst du kommst nicht vorwärts. Der Wind kommt von Norden, nimmt so richtig Schwung und tobt sich aus wenn er dir entgegen bläst. Aber Markus hat mich perfekt auf diese Situation eingestellt!!! Er ist die Strecke in den Tagen davor fast zur Gänze abgefahren und hat einen Plan mit mir erstellt, der mich perfekt durch diesen schweren Kurs geführt hat! Ich hab mich diesmal sehr gut versorgt, bin sehr geduldig geblieben und habe alle Anweisungen vom Coachi befolgt. Ich hätte nie gedacht, dass ich trotz der Windstärke so viel Zeit am Aufleger verbringen würde, aber ich habe auch schnell gemerkt, dass ich diese Position einfach so oft wie möglich einnehmen muss um Körner zu sparen. Wichtige Körner, die ich danach noch für den Marathon brauchte.

Auch der zweite Wechsel funktionierte diesmal einwandfrei. Die Helfer waren grandios, haben uns das Rad abgenommen, mit Sonnencreme versorgt und positiv für die abschließenden 42 km gestimmt. Eines der schönsten Erlebnisse in diesem Rennen war das Gefühl, als ich aus der Wechselzone rausgelaufen bin……ja ich bin raus GELAUFEN, nach unglaublich schweren 180 km am Rad, und die Strandpromenade war voll mit Zuschauern, die uns angefeuert und Mut gemacht haben auch den Rest des Rennens noch zu meistern. Die ersten 10 km waren besonders hart. Am Meer entlang, ungeschützt vom Wind, natürlich wieder von vorne, auf die „Schnautze“…… und es sah so aus, als wollten sie nie enden. Aber ich wusste, diese Strecke hatte ich nur einmal zu absolvieren. Retour hatte ich Rückenwind und nach dem ersten „turn around“ beim Ziel wusste ich, es sind „nur“ noch zwei Mal 5,5 km raus und wieder retour zu laufen. Auf der zweiten Runde kam dann der erste Einbruch, ich musste mich übergeben. Ausgerechnet in dieser Situation war wieder eine Ärztin zur Stelle. Ich habe sie nicht registriert, Markus hat sie erfolgreich abgewimmelt. „Sie erbricht immer im Rennen, das ist normal“, waren seine Worte und weg war sie. Ich hab mich schnell wieder gefangen, die Spannung aufgenommen und bin weiter gelaufen, hab mich bei den Labestationen versucht so gut wie möglich zu versorgen und Schritt für Schritt auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich dem Ziel näher zu kommen.

Meter für Meter näherte ich mich dem Ziel, Meter für Meter habe ich den besprochenen Plan abgearbeitet. Auf den letzten 500m stieg mir dann die Gänsehaut auf. Die Zuschauer waren nach dieser langen Zeit des Rennens noch immer nicht müde geworden die Athleten und Athletinnen anzufeuern und ins Ziel zu „tragen“. Ein Gefühl von Freude, Glück und Zufriedenheit machte sich in mir breit und die Tränen liefen mir die Wangen hinunter, als ich der Promenade entlang durch die Zuschauermenge lief. Als ich dann Markus im Zielkanal sah und er mir mit einem zufriedenen Lächeln die Österreichfahne in die Hand drückte wars für mich perfekt! Auch wenn es für Hawaii diesmal nicht gereicht hat, bin ich keineswegs enttäuscht. Ich hab alles gegeben, alles richtig gemacht, mehr war nicht drinnen. Ich bin dankbar, dass es so gut geklappt hat, trotz meiner Virusinfektion zwei Wochen vor dem Rennen und den vielen Prüfungen die ich für den staatlich geprüften Trainer bis eine Woche vor dem Rennen noch zu absolvieren hatte. Zudem war die Konkurrenz auch unglaublich stark, das muss man neidlos anerkennen!!!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei ALLEN bedanken, die mir so fest die Daumen gedrückt haben, danke für die vielen motivierenden Nachrichten vor und nach dem Rennen!! DANKE meinen Sponsoren, die mich so großzügig unterstützen und DANKE an Markus, der dieses Rennen perfekt für mich vorbereitet und zu einem erfolgreichen Erlebnis für mich gemacht hat!!

Ich darf mich jetzt kurz zurücklehnen und erholen und dann werde ich mich ganz auf die Weltmeisterschaften in Lausanne konzentrieren, für die ich mich ja letztes Jahr qualifiziert habe!

MAHALO und ALOHA bis zum nächsten Bericht!

Eure Hexi